Turnierbericht

29.08.2011 21:32 von Administrator

 

Gültsteiner Blut in den Adern von Glückspilz

Reitsport: Marcel Braitinger gewinnt auf Goldpilz-Nachkomme den Großen Preis von Gültstein

Den Zuschauern stockt der Atem: Alexander Klafterböck kann sich am Sonntag gerade noch auf seinem Pferd halten GB-Foto: Bäuerle 

 

So haben Gültsteiner Springreiter bei einem Turnier vor eigener Haustür schon lange nicht mehr abgesahnt. Siege hagelte es in sämtlichen Klassen an allen drei Tagen. Im Samstag-S-Springen ritt Thomas Volk als Erstplatzierter aus dem Parcours. Doch im Großen Preis machte gestern ein Merklinger das Rennen, Vorjahressieger Marcel Braitinger.

Frank Häusler

Drei Tage stellten Parcours-Chef Walter Holzapfel (Affstätt) und sein aus Jettingen angereister Assistent Markus Roll den Reitern buntes Hindernismaterial in den Weg. Offensichtlich mit stets ideal ausgedachten Linienführungen und genau den richtigen technischen Raffinessen, die ein Parcours der entsprechenden Klassen enthalten muss. Immer blieb die Anzahl derer, die am Ende fehlerfrei blieben, in einem ausgewogenen Verhältnis zu den fehlerhaften Reitern. Auch Gültsteins Turnierleitung, Vereinschefin Claudia Dietterle mit Bianca Groß und Württembergs Reiterpräsident Frank Reutter, können sich diesbezüglich auf Holzapfel und Roll schon seit Jahren verlassen.

Dass während der Gültsteiner Springtage diesmal quasi von Tag zu Tag das Galopp-Tempo in den insgesamt zwölf Wettbewerben immer schneller wurde, ist freilich auch den bis zum Schluss sehr guten Bodenbedingungen zu verdanken gewesen. Die Macher bei der gastgebenden TV Reitgemeinschaft leisteten somit ganze Arbeit. "Am ersten Tag", verdeutlichte Walter Holzapfel, "ähnelte der Rasenplatz einem Golfplatz."

Noch dazu mit Heimvorteil trugen sich zum Turnierauftakt zunächst Gültsteiner Reitsportler in die Siegerlisten ein. In beiden Abteilungen der A-Springpferdeprüfung gewannen Nachwuchspferde des benachbarten Reitclubs Aischbach, Julian Stahl auf Cabalito und Aischbach-Stallchef Kurt Maier auf Winterkind. Dank Nachwuchsreiterin Isabel Chiara Schmidt musste aber auch die TV Reitgemeinschaft nicht lange auf einen Heimsieg warten, die 13-jährige Juniorin gewann auf der Württembergerstute Raika am Auftakttag das A-Stilspringen. Ein weiterer Sieg für den Gastgeberverein blieb aber bis gestern aus.

Siegerpokale in der kleineren Klasse A ritten dafür Jettinger Springreiterjunior Adrian Roll (13) auf Capino nach Hause und erste Plätze in Klasse L gingen unter anderem an die Böblingerin Kathi Steisslinger mit ihrem neuen Cassini-Nachkomme Cassandra und die derzeit regelmäßig topplatzierte Kathrin Schmidt (RC Aischbach Gültstein) auf Quality Girl. Die gestrige Sparkassencup-Qualifikation schnappte die Sindlingerin Mareike Pape auf Lucys Beauty als fünftletzte Starterin dem lange Zeit führenden Jettinger David Roll mit Anthony noch vor der Nase weg. Bis dato nur Ranglistenvorletzte hat Pape jetzt im Oktober-Finale des Cups einen Startplatz sicher. Als erfolgreichster Teilnehmer in den höheren mittelschweren Springprüfungen entpuppte sich Alexander Klafterböck, insbesondere seine zehn Jahre alte Hannoveranerstute Amazing wusste zu glänzen. Auf ihr gewann der 39-jährige Aischbach-Sspringreiter in Klasse M in der Ein- und auch in der höheren Zweisterneklasse.

S-Sieg für Thomas Volk

Im Samstaghöhepunkt, dem ersten von zwei S-Springprüfungen des Turniers, setzten sich mit S-Sieger Thomas Volk auf Linnert und einem knapp geschlagenen Andreas Brünz auf Millenium de Roy zwei Vereinskollegen von Alexander Klafterböck an die Spitze des Feldes. Vor zweieinhalb Jahren habe Volk (49) seinen heute neun Jahre alten Wallach direkt in Schleswig-Holstein bei Georg Clausen gekauft. "Der ist anfangs", berichtet der Samstagssieger, "nur gestiegen und galt als verritten, aber Sprungvermögen hatte er immer schon, das war jetzt unser erster gemeinsamer S-Sieg." Gestern dann im Großen Preis verhinderten Flüchtigkeitsfehler Volks Einzug in die Siegerrunde, S-Platzierungen mit schnellen Vierfehler-Ritten auf Landlicht und Linnert sprangen dennoch heraus.

Das Turnierfinale machten in der Siegerrunde aber neun andere Paare vor toller Zuschauerkulisse aus. Zunächst sah Andreas Brünz (RC Aischbach Gültstein) wie der Sieger aus. Spätestens als auch Vizelandesmeister Markus Kölz (Maichingen) auf Mini-Mi als drittletztes Paar patzte. "Das war nicht sein bestes, dafür aber sein schnellstes Pferd im Stall", atmete Brünz tief durch. Nach dem Schweizer Christian Heim, der auf Platz vier zurückfiel, konnte nur noch Vorjahressieger Marcel Braitinger aus Merklingen dem Gültsteiner den Großen-Preis-Sieg streitig machen. Dem Publikum stockte der Atem, wirds ein Heimsieg oder gelingt die Titelverteidigung? Knapp eine Minute später stand der 23-Jährige aus dem Alb-Donau-Kreis als Sieger fest. Um drei Zehntelsekunden hatte er soeben die Zeit von Andreas Brünz unterboten, der auf seinem Franzosenhengst Millenium de Roy beide Gültsteiner Höhepunkte somit als S-Zweiter beendete.

Irgendwie ahnte der 46-Jährige, dass der S-Sieg nicht gelingen sollte. "Mein Pferd hatte sich kürzlich beim Longieren an der Zunge verletzt, deshalb konnte ich nicht mit normalem Gebiss aufzäumen", so Brünz. Folglich ließ das für Pferd und Reiter ungewohnte Zaumzeug mit fehlendem Gebiss schnellere, enge Wendungen nicht zu. Marcel Braitinger wiederum lieferte ein ganz anderes Geheimrezept für seinen erneuten Großen-Preis-Sieg an der Ammer ab. Sein Vorjahressiegerpferd Gameboy und der gestern siegreiche Glückspilz entstammen nämlich jeweils einer Goldpilz-Stute. Und Goldpilz, ein markanter Schimmelhengst und Großvater des gestrigen Großen-Preis-Siegerpferdes, stand viele Jahre auf der nur wenige hundert Meter vom Turnierplatz entfernten früheren Ammerhof-Deckstation.

 

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