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18.08.2011 18:58 von Administrator

 

Wurfzwerge sehen die Voltigier- Welt von oben

Reitsport: Trainerin Aline Kugler leitet die Gruppen des TV RG Gültstein mit viel Leidenschaft

Akrobatik auf dem Pferd: Für Amelie Schneider (links) und Madlen Dietterle gibt es keinen schöneren Sport - und keine bessere Trainerin als Aline Kugler (kleines Bild) GB-Fotos: gb

 

 

 

Ohne dich ist alles doff." Die jungen Damen der Voltigiergruppe des TV RG Gültstein haben sich nach Trainingsschluss mit ihrem Bild an Lieblingspferd "Hanne" größte Mühe gegeben. Ein "f" zu viel, ein "o" zu wenig - Schwamm drüber.

 

 

Die korrekte Rechtschreibung ist nicht das Wichtigste im Leben von achtjährigen Mädchen mit großer Liebe zum Turnsport auf einem Pferderücken - Tanz-, Akrobatik- und Ballettelemente inklusive. Die Geste zählt.

Denn die heutige Übungsstunde ist keine wie jede andere. Die "Volti-Kids" müssen mit Ersatzpferd Bonny vorliebnehmen. Die geduldige Fuchsstute Hannelore hat sich nach einer Woche "Volti-Sommer ferien-Camp" in Neubulach mit zahlreichen Trainingseinheiten und der für alle TV-RG-Teilnehmer erfolgreichen Prüfung am Ende eine Auszeit mehr als verdient. "Dort haben wir unser Großes Hufeisen gemacht", sagt die achtjährige Sophie Dietterle stolz. Und präsentiert strahlend eine Urkunde mit Abzeichen. "Darauf haben wir alle konzentriert hingearbeitet", erklärt Aline Kugler. Sie ist seit Oktober 2009 Trainerin der inzwischen fortgeschrittenen Mädels im Alter zwischen acht und 14 Jahren. An ihr hängen die Kids genauso wie an Hannelore oder Bonny. "Im Moment gibt es insgesamt drei Gruppen und wir überlegen, demnächst sogar eine vierte aufzumachen", stellt die Trainerin erfreut fest.

Denn die Nachfrage ist groß, die Warteliste voll. Und wer einmal im Training in der Gültsteiner Reithalle vorbeigeschaut hat, kann sich vorstellen, warum. "Oma Vicky lässt mal wieder die Füße nicht gestreckt!", "Amelie, das war jetzt aber ein Aufstieg auf Sparflamme!" "Ihre" Mädels mögen Kuglers Art - und lieben ihre saloppen Sprüche. Das Training macht Spaß.

Fast genauso oft hallt ein Lob der Trainerin durch die Halle. Ansporn für alle. Kein Wunder also, dass der zehnjährigen Öschelbronnerin Viktoria Schäberle nach ihrem sauberen Abgang ein breites Grinsen über das Gesicht huscht. Gleiches gilt für ihre Altersgenossin Amelie Schneider aus Gültstein. Und Nesthäkchen Johanna Widmayer strahlt ebenfalls wie ein Honigkuchenpferd. "Versuch beide Griffe zu greifen, auch wenn du die Kleinste bist", leitet Kugler das zierliche Mädchen an. Mit der nötigen Hilfestellung der erfahrenen Marie Reschke schafft es die Herrenbergerin gleich im ersten Versuch - und legt am Ende noch einen ebenso lobenswerten Abgang obendrauf.

Während die drei Mädchen nacheinander aufknien, in den Stütz gehen oder eine "Fahne" zeigen, üben Sophie und ihre Zwillingsschwester Madlen sowie die zwölfjährige Altingerin Lucie Schulz unter den Augen von Amelies großer Schwester Sophie Schneider auf "Lola". Lola lässt wirklich alles mit sich machen. Selbst groben Unfug erträgt sie mit eiserner Gelassenheit. Denn Lola ist der Holzgaul der Gruppe - mit Griffen für die notwendigen Trockenübungen. Der Aufgang erfolgt per Trampolin. "Aber Bonny oder Hannelore sind uns viel lieber", gibt Lucie offen zu.

Das weiß auch Trainerin Aline Kugler aus eigener Erfahrung. Seit sie fünf ist, ist sie praktisch auf dem Rücken der Pferde zu Hause. "Meine Mutter hat nicht geahnt, was sie mit der Anmeldung zum Voltigieren auslöst", erzählt Kugler amüsiert. In diese Zeit fallen auch ihre Erfahrungen als Wurfzwerg: "Klein, zierlich, beweglich, leicht - perfekte Voraussetzungen, um bei Hebefiguren oder akrobatischen Elementen in der Kür den Part ganz oben zu bekommen." Eine ganz neue Sicht auf die Welt. Fortan rückten Ballett und Kunstturnen in die zweite Reihe. "Aber diese Grundlagen waren sehr hilfreich", weiß die 25-Jährige. Auch die Hälfte der anwesenden Mädels turnt selbst. "Trotzdem mussten alle erst an das echte Pferd gewöhnt werden", erklärt die Trainerin. Deren Philosophie lautet: "Mensch und Tier müssen behutsam zueinanderfinden. Voltigieren ist eine Schule fürs Leben: Man muss für seine Partner auf und neben einem genauso Verantwortung tragen wie für das Pferd darunter." Das hat Kugler - DM-Teilnehmerin von 2004 mit dem RV Malteser Komturei Herrenstrunden - verinnerlicht. Eine Handfraktur und der Tod des Gruppenpferdes bremsten die Management-Studentin in der Folge jedoch aus - sie wechselte endgültig ins Trainermetier. Und landete 2009 in Gültstein. "Weil es studientechnisch passt, bleibe ich dem TV RG noch länger erhalten", sagt Aline Kugler erleichtert. Damit steht dem Ausbau der ersten Turniererfolge ebenso nichts mehr im Wege wie dem gemeinsamen Auftritt vor heimischer Kulisse bei den TV-RG-Springtagen am Samstag (12.30 Uhr) und am Sonntag (13.30 Uhr). Und ihre Mädels haben auch in Bezug auf ihre Trainerin eine klare Einstellung: Ohne sie ist alles doof.SVEN GRUBER

 

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